Restriktive Regulierung würgt Anbau wichtiger Feldfrüchte ab

Ein Verbändebündnis hat vor einer zunehmenden Importabhängigkeit bei wichtigen Ackerfrüchten, vor engeren Fruchtfolgen und der Abwanderung der Agrarproduktion gewarnt, sollte die restriktive Regulierung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland und Europa anhalten. Wie der Industrieverband Agrar (IVA), die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) und die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA) heute in Berlin feststellten, konterkariert diese Politik die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung im Ackerbau und beschneidet die pflanzenbaulichen Möglichkeiten der hiesigen Landwirte.

"Niemand kann ernsthaft wollen, dass die Kartoffeln auf unseren Wochenmärkten aus Nordafrika oder Übersee kommen und dass wir Rapssaat und -öl aus der Ukraine importieren", erklärte IVA-Präsident Manfred Hudetz. Er gibt zu bedenken, dass Regionalität nicht "von selbst" passiere. Vielmehr müsse man dafür sorgen, dass der Anbau wichtiger Kulturen für heimische Landwirte attraktiv bleibe. "Deutsche Sonderregeln" und lange Verzögerungen bei der Wirkstoffzulassung stünden dem jedoch entgegen. Hudetz fordert deshalb, dass Pflanzenschutz als "Teil der Lösung" Thema beim Agrargipfel der Bundesregierung ist.

Nach Darstellung des stellvertretenden UFOP-Vorsitzenden Dietmar Brauer sind bodenbürtige Rapsschädlinge seit dem Verbot neonikotinoider Beizen im Jahr 2013 nicht mehr effektiv bekämpfbar, da es an alternativen Beizmitteln fehle. Zudem fördere eine zunehmende Einschränkung von Wirkstoffen in der herkömmlichen Pflanzenspritzung Resistenzen bei anderen Schädlingen. In Reaktion darauf verlagerten immer mehr Züchter die Rapssaatgutaufbereitung ins Ausland. Dies sorge für teure Reimporte und stillstehende Beizanlagen in Deutschland, beklagte Brauer. Diese Entwicklung ist ihm zufolge aufgrund einer immer engeren Wirkstoffauswahl auch in anderen Bereichen zu erkennen.

Laut Brauer ruft die UFOP deshalb die deutschen Zulassungsbehörden auf, im Rahmen des Pflanzenschutzrechts der deutschen Landwirtschaft unter Einhaltung geltender Zulassungsfristen "wirksame Pflanzenschutzlösungen" zur Verfügung zu stellen. Dabei dürfe es keinen deutschen Sonderweg in der nationalen Bewertung geben, der die Wettbewerbsfähigkeit des hiesigen Anbaus in Frage stelle, mahnte Brauer.

Vor ähnlichen Problemen stehen nach Angaben des Vizepräsidenten vom Niedersächsischen Landvolk, Dr. Holger Hennies, auch die deutschen Kartoffelvermehrer. Auch hier sei nach dem Wegfall bewährter Wirkstoffe keine ausreichende Mittelpalette mehr zur erfolgreichen Blattlausbekämpfung und für ein effektives Resistenzmanagement vorhanden. Damit stehe der Übertragung von Viruskrankheiten kein ernsthaftes Hindernis mehr im Weg, warnte Hennies. Da so immer mehr kranke Pflanzkartoffeln nicht zertifiziert werden könnten, werde die regionale Wertschöpfungskette bei Kartoffeln bereits zu Beginn geschwächt. Am Ende kämen immer weniger heimische Kartoffeln auf den Markt und müssten durch Importe ersetzt werden, gab Hennies zu bedenken. Auch er drängt deshalb auf tragfähige Lösungen in der Pflanzenschutzzulassung. AgE


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