Verlust an Agrarflächen wird nur unzureichend wahrgenommen

Ein mangelndes Problembewusstsein für den fortschreitenden Verlust an Agrarflächen in Deutschland stellt der Thünen-Wissenschaftler Andreas Tietz fest. "Im Wettbewerb um andere Nutzungsansprüche ist die Landwirtschaft oft unterlegen", kritisierte Tietz beim Kongress "Boden ohne Bauern?", den das Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin veranstaltet.

Der Agrarökonom rief dazu auf, die landwirtschaftliche Perspektive stärker in die Flächendiskussion einzubringen. Ertragreiche Böden seien die Grundlage für Arbeit und Wertschöpfung der hiesigen Landwirtschaftsbetriebe. Deren Bedeutung nehme im Zuge des Klimawandels weiter zu. Eine Umwidmung von landwirtschaftlichen Flächen sei in vielen Fällen praktisch irreversibel.

Tietz bezifferte den Rückgang an landwirtschaftlicher Fläche in Deutschland seit 1992 auf rund 1,35 Mio ha. Der Anteil von Acker- und Grünland an der gesamten Landesfläche sei von damals 54,7 % auf nunmehr weniger als 51 % gesunken. Im gleichen Zeitraum sei der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche von 11,7 % auf 14,4 % gestiegen. Wesentliche Faktoren seien eine steigende Wohnfläche pro Einwohner, Flächeninanspruchnahme für Gewerbe sowie Straßen und Schienen.

Nicht zu beziffern sei der Umfang an landwirtschaftlichen Flächen, die durch naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen in Anspruch genommen werde, sagte Tietz und verwies auf eine Vielzahl an Maßnahmen- und Kompensationsträgern. Umso dringender sei die Erstellung eines Kompensationsflächenkatasters. Der Wissenschaftler kritisierte zugleich "grundlegende Defizite" der bestehenden Kompensationsregelungen. Während beim Ausgleich des Flächenverbrauchs bei Bauvorhaben die Funktionen des Bodens für den Naturhaushalt zugrunde gelegt würden, werde das Schutzgut produktiver Boden nicht berücksichtigt. Landwirte sollten laut Tietz ihrerseits stärker die Kooperation mit Maßnahmenträgern bei notwendigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen suchen. AgE


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